Fachkonferenz „Alter, Migration und Einsamkeit: Herausforderungen und Perspektiven“

Gemeinsam gegen Einsamkeit im Alter: Ältere Menschen mit Einwanderungsgeschichte im Mittelpunkt

Rund 75 Teilnehmende kamen am 14. Oktober 2026 im Wilhelm-Hansmann-Haus in Dortmund zusammen, um über Einsamkeit im Alter, Sprachbarrieren und gesellschaftliche Teilhabe zu diskutieren. Die Fachkonferenz des VMDO e. V. in Zusammenarbeit mit der Fachstelle Alter und Migration der Stadt Dortmund brachte Wissenschaft, Praxis, Stadtverwaltung und ältere Menschen miteinander ins Gespräch.

 

Wie können ältere Menschen mit Einwanderungsgeschichte besser erreicht werden? Welche Hindernisse erschweren den Zugang zu Beratung und Unterstützung? Und was können wir gemeinsam gegen Einsamkeit im Alter tun?
Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Fachkonferenz „Alter, Migration und Einsamkeit: Herausforderungen und Perspektiven“ im Wilhelm-Hansmann-Haus in Dortmund.


Nach der Begrüßung durch Michael Gonas, Fachbereichsleiter des Sozialamtes der Stadt Dortmund, und dem Grußwort von Gesa Harbig, stellvertretende Geschäftsführerin des VMDO e. V., standen wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungen aus der praktischen Arbeit im Mittelpunkt.


Einsamkeit verstehen und Menschen besser erreichen
Sarrah Bock vom HBS-Promotionskolleg „Neue Herausforderungen in alternden Gesellschaften“ der Technischen Universität Dortmund erläuterte in ihrem wissenschaftlichen Beitrag die Unterschiede zwischen Alleinsein, sozialer Isolation und Einsamkeit.
Dabei wurde deutlich, dass Einsamkeit nicht allein vom Alter oder von der Anzahl sozialer Kontakte abhängt. Auch finanzielle Belastungen, gesundheitliche Einschränkungen, Diskriminierungserfahrungen und Sprachbarrieren können die Lebenssituation älterer Menschen beeinflussen.
Yasemin Yazıcı-Muth von der DRK-Beratungsstelle für ältere Migrant*innen HIWA! berichtete anschließend aus der Praxis. Sie machte deutlich, dass Einsamkeit häufig nicht direkt angesprochen wird. Ältere Menschen kommen zunächst mit alltäglichen Fragen zu Behörden, Rente, Gesundheit oder Pflege in die Beratung. Erst durch persönliche Gespräche und eine vertrauensvolle Atmosphäre werden fehlende soziale Kontakte und andere Belastungen sichtbar.
Ihr Beitrag zeigte, wie wichtig persönliche Ansprache, Vertrauen, mehrsprachige Informationen und niedrigschwellige Unterstützungsangebote sind. Auch die Zusammenarbeit mit Migrantenselbstorganisationen spielt dabei eine wichtige Rolle.

Podiumsdiskussion: Sprachbarrieren und Integration im Fokus
Ein zentraler Bestandteil der Fachkonferenz war die von Verena Bruchhagen moderierte Podiumsdiskussion. Auf dem Podium kamen Vertreter*innen aus Migrantenselbstorganisationen, Wissenschaft und Stadtverwaltung zusammen:
•    Şahin A. Serender – Deren Dersim Gemeinde Westfalen e. V.
•    Prof. Dr. Emrah İlgün Birhimeoğlu – Fachhochschule Dortmund
•    Baki Gök – Karanfil e. V.
•    Martin Rutter – Stadt Dortmund, Fachbereich Senioren
Im Mittelpunkt standen die Erfahrungen älterer Menschen, die vor Jahrzehnten als sogenannte Gastarbeiter*innen nach Deutschland gekommen sind. Die Diskussion machte deutlich, dass Sprachbarrieren, Herausforderungen bei der Integration und Schwierigkeiten beim Zugang zu Beratungs- und Unterstützungsangeboten auch heute noch eine wichtige Rolle spielen.
Die Vertreter*innen der Stadt Dortmund berichteten über ihre Arbeit und bestehende Angebote. Zugleich wurde deutlich, dass es nicht allein darauf ankommt, welche Angebote vorhanden sind. Entscheidend ist auch, ob ältere Menschen diese Angebote kennen, verstehen und tatsächlich nutzen können.


Ältere Menschen brachten ihre eigenen Erfahrungen ein
Ein großer Teil der Teilnehmenden waren ältere Menschen mit Einwanderungsgeschichte. Darüber hinaus waren Fachkräfte und Vertreter*innen verschiedener Einrichtungen anwesend.
Besonders wertvoll war, dass sich zahlreiche ältere Menschen aktiv an der Diskussion beteiligten und auf die Fragen der Moderatorin mit ihren eigenen Erfahrungen antworteten. So entstand ein lebendiger Austausch zwischen den Fachleuten und den Menschen, um deren Lebenssituation es ging.
Die Veranstaltung zeigte: Ältere Menschen sollten nicht nur Thema fachlicher Diskussionen sein. Ihre Erfahrungen, Wünsche und Bedürfnisse müssen gehört und bei der Weiterentwicklung sozialer Angebote berücksichtigt werden.


Ein wichtiger Anfang für weitere Zusammenarbeit
Die Fachkonferenz war ein wichtiger Schritt, um das Thema Einsamkeit im Alter und die Lebenssituation älterer Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Dortmund stärker in den Mittelpunkt zu rücken.
Der Austausch verdeutlichte, dass es gemeinsame Anstrengungen braucht. Stadtverwaltung, soziale Einrichtungen, Wissenschaft und Migrantenselbstorganisationen müssen weiterhin zusammenarbeiten, um Zugangsbarrieren abzubauen, Begegnungen zu ermöglichen und gesellschaftliche Teilhabe zu stärken.
Die Botschaft der Fachkonferenz ist klar: Einsamkeit darf nicht übersehen werden. Ältere Menschen müssen erreicht, gehört und in ihrer Teilhabe gestärkt werden. Dafür braucht es persönliche Begegnungen, gegenseitiges Verständnis und eine verlässliche Zusammenarbeit.
Der VMDO e. V. -KULSA Projekt bedankt sich bei allen Referent*innen, Podiumsgästen und Teilnehmenden für ihre Beiträge und den offenen Austausch. Die begonnene Zusammenarbeit soll fortgesetzt werden.

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